Was ist Zen?

Aufrecht sitzen, still und wach, ohne irgendetwas erreichen oder festhalten zu wollen, einfach nur seine ganze Aufmerksamkeit auf das richten, was man in diesem Moment tut. Das ist die Haltung des Erwachens, Zazen, die grundlegende Übung des Zen, wie sie seit Jahrtausenden weitergegeben wird.

Unabhängig von Religion, Kultur und persönlichen Fähigkeiten führt Zen den Menschen zum ursprünglichen, zum normalen Zustand zurück. Was weder vom Verstand erfasst, noch durch Worte vermittelt werden kann, ist Sache der Ausübung, der Praxis. In der Übung von Zazen (za = Sitzen, zen = wachsame, ziellose Konzentration) wird die Einheit von Körper und Geist deutlich. Automatisch, unbewusst und natürlich beeinflusst diese Erfahrung den ganzen Menschen.

Weder Philosophie noch Religion noch Therapie, eröffnet das Zen den Zugang zu Religion und Philosophie. In der aufmerksamen Wahrnehmung von Körper und Geist findet sich die Wurzel der Werte, die ein Leben als Mensch ausmachen.

Um Zazen zu üben setzt man sich auf ein Zafu (dickes, rundes Kissen), und schlägt die Beine so übereinander, dass die Knie festen Kontakt mit dem Boden haben. Die Wirbelsäule richtet sich auf, der Nacken ist gestreckt, das Kinn leicht eingezogen. Die linke Hand ruht in der rechten, die Daumen berühren sich spürbar. Die Aufmerksamkeit ist auf die Ausatmung gerichtet, die mit der Zeit ruhig, lang und tief wird.

Entspannt, ohne schlaff zu sein, konzentriert ohne Verkrampfung, unbeweglich und doch im höchsten Grad aktiv – wenn man sich so von Augenblick zu Augenblick konzentriert, kommen die Gedanken zur Ruhe, öffnet sich der Geist in alle Richtungen.

“In der Stille erhebt sich der unsterbliche Geist, und wortlos kommt die Freude.”
(Meister Taisen Deshimaru, 1914-1982)

Die Schule von Meister Taisen Deshimaru

Die Zen-Praxis hat eine über 2500-jährige Tradition. Seit Buddha, dem “Erwachten”, wird sie ohne Unterbrechung weitergegeben –”i shin den shin”, von meinem Geist zu deinem Geist, von meinem Herzen zu deinem Herzen. So brachte sie der Mönch Bodhidarma im 6. Jahrhundert von Indien nach China, 700 Jahre später Dogen von China nach Japan und im 20. Jahrhundert Taisen Deshimaru nach Europa. Deshimaru war Schüler und Nachfolger von Meister Kodo Sawaki (1880-1966), der als Erneuerer des Soto-Zen gilt. Er wandte sich vom institutionalisierten Zen in den Tempeln ab und machte die Praxis allen Menschen zugänglich.

So kam Deshimaru 1967 nach Paris. Er gründete an die hundert Dojos in ganz Europa, die Association Zen Internationale (AZI) und den Zen-Tempel “La Gendronnière” im französischen Loire-Tal. Auch forderte er seine Schüler auf, sich in der Welt zu engagieren: “Der Lotos wächst mitten im Schlamm.” 1982 starb er überraschend. Seither geben die erfahrensten Schüler von Deshimaru Roshi ihrerseits die Zen-Praxis weiter.